Reportagen

Trainingslager auf Texel 2008

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Geschrieben von: Jürgen Krause

Tusemer bereiteten sich wieder auf Texel für die neue Saison vor

Der inzwischen zum festen Bestandteil gewordene Aufenthalt der Tusem Leichtathleten unter der Leitung von Trainer Detlef Hemp war auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg. Das Trainingslager war ursprünglich in den ersten Jahren nur für die Jugendlichen des Tusem geplant, aber nach und nach fanden auch die älteren Langstreckler Gefallen an der niederländischen Nordseeinsel Texel. So dass in diesem Jahr vom 14. - 28. März eine recht illustere Truppe zusammen kam, die sogar noch von Athleten anderer Vereine ergänzt wurde. Nach Aussage von Christian Hengmith war dieser Aufenthalt, trotz der teilweise widrigen Witterungsverhältnisse, der beste und schönste, den er je erlebt hatte.

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Winterwurf-WM in Frankreich

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Geschrieben von: Michael Gärtner

Der Traum vom WM-Finale wurde wahr!

Michael Gärtner reiste zur Senioren Weltmeisterschaft nach Clermont-Ferrand in Frankreich (18.3. - 23.3.) mit dem sportlichen Ziel, das Finale der WM im Winterwurf zu erreichen. Pünktlich zur Einlaufzeit fing es an zu schneien, "beste" Voraussetzungen also für einen Winterwurf-Wettkampf und damit auch eine für den letzten Laien verständliche Erklärung des Begriffs Winterwurf. Die Wettkampfleitung musste alle Wettbewerbe im Freien für 2 Stunden unterbrechen.

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100 km von Biel – Ein Traum geht unerwartet in Erfüllung!

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Geschrieben von: Khalid Ghazi Montag, den 18. Juni 2007 um 00:00 Uhr

„Die Grenzen sind dort, wo die Vorstellungskraft endet“

Khalid Ghazi bei km90Jeder Läufer, der schon ein paar Marathons hinter sich hat, träumt irgendwann mal davon, einen Ultralauf im dreistelligen Bereich zu laufen. Träumen ist zwar erlaubt, die Realität sieht aber ganz anders aus. Denn so ein Mammutlauf setzt nicht nur eine langfristige und sorgfältige Vorbereitung voraus, sondern auch eine eiserne Disziplin und eine felsenfeste mentale Stärke. Einen 100er zu laufen ist letztendlich eine reine Kopfsache. Man muss es einfach wollen!
Nachdem ich meine ersten Ultraläufe (Rennsteiglauf über 72,7 km und Röntgenlauf über 63,3 km) mehr oder weniger erfolgreich absolviert hatte, war ich fest davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis mein Traum, einen Ultralauf im dreistelligen Bereich zu laufen zur Realität wird.

Anfang 2007 begann ich systematisch für die Mission „Biel 2007“ zu trainieren. Ein ehrgeiziges aber zugleich gefährliches Unternehmen. Getrieben durch meine Willenskraft zog ich mein Trainingsprogramm konsequent durch. Die Marathonläufe von Steinfurt und Bonn sollten zusätzlich zu den langen Trainingseinheiten als Basis für den 100er von Biel dienen. In einer entscheidenden Vorbereitungsphase kam plötzlich ein Umzug, der alle Pläne durcheinander wirbelte. Auf einmal schien mein Traum, einen 100er zu laufen ganz weit in die Ferne gerückt zu sein. Anstatt mich akribisch für Biel vorzubereiten, musste ich nun mein Trainingsprogramm sehr stark einschränken. Mehr als zwei Trainingseinheiten in der Woche mit einem Umfang von 30 bis 40 km waren nicht mehr möglich.

Kaum waren die Renovierungsarbeiten vorbei begann für mich – als Ersatz für die Mission Biel 2007 - eine intensive Wettkampsphase, in der ich trotz Trainingsrückstand erstaunlicherweise sehr gute und einige persönliche Bestleistungen erzielen konnte. Somit waren fast alle Saisonziele schon erreicht. Nur das größte Ziel von Biel war wieder Zukunftsmusik geworden. Ärgerlich! Denn noch nie war die Realisierung meines Traumes vom Ultra so nah wie in diesem Jahr.

Ein Telefonat ändert alles!

Ein Telefonat ca. 2 Wochen vor der Tag der Wahrheit in Biel mit Juta Jöhring und Peter Ludden, die sich in der Ultarszene gut auskennen und einige zigtausend km auf dem Buckel haben, ließ mich wieder von Biel träumen. Ihre wertvolle Ratschläge und Tipps bauten mich auf und auf einmal war das nötige Selbstvertrauen wieder zurückgekehrt. Juta und Peter machten mir klar, dass der Traum von Biel - trotz Trainingsrückstand - zu realisieren ist. Dazu muss lediglich die Zielsetzung ganz bescheiden neu definiert werden. Der Wunsch, die 100 km auf Zeit zu laufen ist erstmal futsch.

Fakten, Fakten und noch mal Fakten!

Der 100 km lange Rundkurs, der die Langläufer (und noch "längeren" Geher!) durch die Landschaft um Biel führt, bietet den Läufern einiges. Aber dem Athleten wird ebenso viel abverlangt: Ein Streckenprofil von 600 Höhenmetern verteilt auf mehrere lange und flachere Anstiege und dem unerbittlichen und "knackigen" Aufstieg nach fast 80 km. Verschiedenste Bodenbeschaffenheiten, unter anderem Waldwege mit Schlaglöchern, die man in finsterer Nacht ohne Lampe nicht sehen, nur fühlen kann. Man darf außerdem den Wetterfaktor nicht vergessen. Wer möchte denn schlimmstenfalls 100 km im Regen und Schlamm freiwillig laufen! Ich jedenfalls nicht!

Das Ganze soll ein Erlebnislauf werden

Als ich erfuhr, dass es beim 100er von Biel Ausstiegsmöglichkeiten bei den km 38, 56 und 76 gibt und das dafür sogar Zwischenwertungen gibt, war dies eine Zusatzmotivation, die 100 km oder zumindest ein Teil davon – wenn es nicht klappen sollte – als Erlebnislauf zu absolvieren. Befreit von jedem Leistungsdruck und jeglichen Erwartungen. Erlebnislauf heißt für mich: Kontrolliert und langsam laufen und jede sich anbietende Verpflegungsgelegenheit nutzen, um reichlich zu essen und trinken und das Erlebnis multimedial (Videos und Fotos) dokumentieren. Und weil bei jedem Lauf ein bisschen Ehrgeiz immer dabei, versuchen unter 10 Stunden zu bleiben. Ob das nicht zuviel ist? Na ja! Ich habe sowieso nichts zu verlieren. Ich muss kein Titel verteidigen.

Peter Ludden und Martin Schröer boten mir freundlicherweise alle logistische Hilfe an. Ich musste also nur mein Laufequipment mitnehmen. Die erfahrenen Ultraläufer des Gerscheder SV haben bereits an alles gedacht. Und das Alpenland „Schweiz“ ist jedenfalls besuchswert. Die Weichen für die Mission „Biel 2007“ sind also gestellt. Jetzt muss ich nur „Ja“ sagen. Und das habe ich auch getan.

Ultramarathon von Biel, Teil 1
Donnerstag, 14. Juni – Anreise nach Biel

Um Stress und Hektik am Tag der Wahrheit zu vermeiden entschieden sich Peter und Martin für eine frühzeitige Anreise am Donnerstag, dem 14. Juni, was sich später als eine kluge Entscheidung erwies. Das nennt man Erfahrung halt! Nachdem wir alles aufgeladen haben, machten wir uns gegen 16.00 Uhr auf der Autobahn nach Biel über Koblenz, Karlsruhe, Baden-Baden und Basel. Auf der Autobahn im Rheinland-Pfalz überraschte uns ein kräftiges Gewitter, das für den folgenden Tag nichts Gutes erahnen ließ. Denn keiner von uns möchte gerne in der Nacht von Freitag auf Samstag ewig „duschen“. Gegen 22.00 Uhr haben wir den Grenzübergang in Basel erreicht. Es erfolgte keine Kontrolle, denn am Grenzübergang waren keine Polizisten zu sehen. Gut so! Denn dadurch haben ein paar Minuten gewonnen. Durch Basel gefahren, hieß es danach: ab nach Biel über die Berge. Augrund der starken und dichten Bewölkung waren es bereits frühzeitig dunkel geworden. Abgesehen von den kleinen Dörfern, an denen wir vorbei gefahren sind bekamen wir sehr wenig von der schweizerischen Schönheit zu sehen. Aber uns ging nur darum, unser Ziel so schnell wie möglich zu erreichen. Wir waren einfach zu müde, um an das Grüne, die Kühe und die Berge zu denken. Während Peter und Martin uns sicher durch die Berge fuhren, waren Ralf und ich auf den hinteren Sitzen ab und zu mal in einen kurzen oberflächlichen Schlaf gefallen. Vorne hielten die Anweisungen des Navigationssystems unseren Fahrers Martin und Peter auf dem Beifahrersitz wach. Kurz vor Mittenacht und nach ca. 8 Stunden Fahrt haben wir endlich mal unser lang ersehntes Ziel erreicht. Kaum habe wir unser Lager aufgeschlagen und unsere Zelte schlafbereit gemacht, schüttete es von oben pausenlos durch die ganze Nacht. Gerade mal Glück gehabt! Die stark vom Himmel herabfallenden Regentröpfe machten aber einen Tiefschlaf unmöglich. In der Hoffung, dass das Wetter an nächsten Tag zumindest trocken bleibt haben wir uns eine gute Nacht gewünscht und sind in unsere Zelte „hineingekriecht“.

Ultramarathon von Biel, Teil 2
Freitag, 15. Juni – Schlichte Stimmung: Regen, Regen und noch mal Regen!

Im Vorfeld haben wir uns einen trockenen und sonnigen Freitag gewünscht. Als wir am Freitag gegen 9.00 Uhr aus unseren Zelten heraus krochen war die Enttäuschung umso größer. Es will einfach nicht aufhören zu regnen. Wir begannen uns Sorgen zu machen. Ralf Hübner (LC Duisburg), der mit uns gefahren ist, dachte sogar an einen Startverzicht. Es sind aber noch 12 Stunden bis zum Start und bis dahin ist alles möglich. Also die Hoffnung stirbt also zuletzt. Trotz schlichter Stimmung gönnten wir uns ein gemütliches Frühstück mit frischen Brötchen und leckeren Croissants aus dem benachbarten Supermarkt. Der Rest des Tages war eigentlich dafür geplant, die landschaftliche Schönheit Biels zu erkunden. Leider das Wetter hatte etwas dagegen. Deswegen mussten wir uns mit einer kleinen Erkundungsrunde durch die Altstadt begnügen. Schade eigentlich! Denn als Läufer kann man alle öffentlichen Verkehrsmittel inkl. Seilbahnen kostenlos benutzen. Letzteren bieten sich hervorragend an, wenn es darum geht, schöne Panoramaaussichten mit Blick auf den Beelersee und die Alpen bei gutem Wetter zu genießen.

Nachdem wir zu unserem Lager zurückgekehrt sind und die erste Phase des „Carbo-Loading“ hinter uns hatten – damit ist Mittagessen gemeint, das ausschließlich aus an Kohlenhydraten reichhaltiger Nahrung bestand– begaben wir uns zu unseren Zelten für einen kurzen Nachmittagsschlaf. Denn die Nacht der Nächte wird ewig lang sein.

Ultramarathon von Biel, Teil 3
Freitag, 15. Juni, 20.00 Uhr – Jetzt wird es ernst!

Als wir gegen 20.00 Uhr wach wurden, konnten wir unseren Augen kaum glauben. Es regnete nicht mehr und die dicken Wolken sind weggezogen. Wenn das keine Entschädigung für die schlechte Stimmung am Vormittag ist! Anschließend folgte die zweite Phase des „Carbo-Loading“ mit Spagetti, Nudeln und Hafferflocken.

Überall sind jetzt LäuferInnen zu sehen, die sich laufbereit machen und den Start mit Spannung entgegenfiebern. Ich spürte ein gemischtes Gefühl aus Vorfreunde und Angst in mir. Einerseits freute ich mich sehr, dass ich trotz aller Planungsschwierigkeiten doch es geschafft habe, dabei zu sein. Andererseits fragte ich mich ständig, ob ich es mit diesem Abenteuer nicht zu weit gewagt habe. Aber es gibt ja zum Glück diese rettenden Ausstiegsmöglichkeiten. Nach einem lockeren Aufwärmlauf, kontrollierte ich die Sachen, die mit auf der Reise durch die Nacht gehen: Eine Stirnlampe als Ersatz, eine kleine Handlampe, 2 Power Riegel für den Notfall und - da ich nicht auf Zeit laufen wird - meine Kamera für Fotos und Videos unterwegs. Ich packte alles in einen kleinen Rücksack und machte ich mich mit Peter, Martin und Ralf auf dem Weg zum Start. Die Kamera nahm ich in meiner Hand, um die ersten Impressionen beim Start aufzunehmen. Während die drei Routinierten entspannt zum Ziel sich begaben, ging ein Gedankenmix durch meinen Kopf: Hoffnung, Verzweiflung, Angst, Mut, Zuversicht… alles war dabei.

Ultramarathon von Biel, Teil 4
Freitag, 15. Juni, 22.00 Uhr – Jetzt gibt es kein Zurück mehr!

Der Countdown läuft... 3, 2, 1. Genau um 22.00 Uhr schickte ein heftiger Knall bei trockenem Wetter und angenehmen Temperaturen um 14° mehr als 2000 UltarläuferInnen auf den Rundkurs durch die ewig lange Nacht. Ich startete relativ weit vorne und bemerkte zu meinem großen Erstaunen, mit welchem Elan viele LäuferInnen an mir vorbeirasten, wohl angetrieben durch die eigene Euphorie und gewiss auch von der fantastischen Zuschauerkulisse, die die Strassen in die Innenstadt säumten und die Nacht durch ihre Begeisterung zum Tag gemacht haben. Einzigartig diese Schweizer! Multilinguale Anfeuerungen sind überall zu hören: Auf schwitzdeutsch, hochdeutsch, französisch und italienisch. Alle LäuferInnen fühlten sich angefeuert.
Die ersten 5 Kilometer führen noch durch die menschengefüllten Straßen der Stadt BIEL. Nach 26:08 min erreichten wir die erste Verpflegungsstelle bei km 5. Also eine 1:22 min schneller als vorgesehen. Ab diesem Zeitpunkt musste ich einen Gang zurückschalten und ein Durchschnittstempo von 5:30 min/km so lange wie möglich halten. Die „Läuferlawine“ rollte immer noch an mir vorbei. Ein ungewöhnliches Gefühl für jemanden, der immer die Flucht nach vorne sucht. Für eine Nacht wie diese gelten aber andere Maßstäbe. Also ich blieb ruhig und lief mein Tempo konsequent weiter.

Ultramarathon von Biel, Teil 5
1. Laufabschnitt (bis Aaberg, 18 km)

Nach einem kleinen Bergabhang bogen wir dann erstmals in einen flachen Feldweg ein. Ich wollte mein Tempo noch mal kontrollieren. Ich übersah leider die KM-Markierung bei km 10 und km 15. Vielleicht weil es bis dahin richtig dunkel geworden war. Ich lief dann weiter nach Gefühl in der Hoffnung, dass ich die Teilstrecke zwischen km 5 und km 20 mit dem vorgesehenen Tempo (5:30 min/km) anging. Meine Zwischenzeit bei km 20 war 1:49,36 h. Ich habe also die letzten 15 km in 1:23,28 h zurückgelegt. Das entspricht ein Durchschnittstempo von 5:34 min/km. Eigentlich zu schnell, wenn man die erste Bergsteigung und die Verpflegungspause in Aarberg berücksichtigt. Ich entschied mich also noch ein bisschen langsamer zu laufen. Dieser Berechnung war für mich bis dahin ganz wichtig, weil ich unbedingt ein schnelleres Tempo vermeiden wollte.

Ultramarathon von Biel, Teil 6
2. Laufabschnitt (bis Oberramsern, 38 km)

Ab km 20 gewann ich langsam so etwas wie einen gleichmäßigen Laufrhythmus. Ein beruhigendes Gefühl bekam ichzu spüren. Mit einem Problem hatte dennoch zu kämpfen. Denn die Kamera, die ich in den kleinen Rücksack packte für Fotos und Videos unterwegs, störte mich durch hin- und herschaukeln ständig. Das ist ein großes Handicap, wenn man keinen Fahrradbegleiter hat. So musste ich zu meinem Leiden die Kamera in eine Hand und die Lampe in die andere nehmen. Ich lief dann bei gelegentlich leichtem Regen durch weite Wiesenauen, über holperige Feldwege und durch kleine Wälder weiter bis ich den Ort Oberramsern bei km 38,5 mit einem Tempo von immer noch mehr oder weniger 5:30 min/km erreichte. Bis dahin lief alles nach Plan und die erste Hürde war somit überwunden. Ein Ausstieg beim ersten Ausstiegspunkt kam gar nicht in Frage. Nach einer relativ langen „Tankpause“ hieß es danach: den nächsten Abschnitt über ca. 18 km in Angriff zu nehmen.

Ultramarathon von Biel, Teil 7
3. Laufabschnitt (bis Kirchberg, 55 km)

Nach der Verpflegungspause bei km 38,5 in Oberramsern, dauerte es relativ lange (psychologisch) bis ich die nächste Verpflegungsstelle bei km 45 erreichte. Das Tempo und die Zwischenzeiten waren immer noch im vorgesehenen Zeitrahmen. Die Kilometer wurden aber psychologisch immer länger. Ab (km 45) kam es neben einer physiologisch guten Verfassung vor allem auf die mentale Stärke an. Weil die Verpflegungspause bei km 45 relativ lang war, schenkte ich mir die nächste Verpflegung in Jegenstorf bei ca. km 48, um meinen Magen einigermaßen zu entlasten. Ein fataler Fehler! Denn die nächste Verpflegungsstelle gab es erst bei km 55. Durstig musste ich mich über fast 7 km schleppen und mein Tempo ein bisschen drosseln, um Schlimmeres zu verhindern. Diese Phase erwies sich später als die schwierigste Phase für mich insgesamt. Um 3.13 Uhr habe ich endlich mal das rettende Ufer bei km 56,1 erreicht. Die ersten 50 km waren bereits absolviert. Erstaunlicherweise blieb das Tempo bis dahin konstant und ich stellte im Nachhinein fest, dass ich sogar 84 Läufer auf diesem Abschnitt überholte. Ich habe also keine Zeit verloren. Aber darum geht es ja nicht. Nachdem ich meinen Durst mit reichlich Wasser, Iso, Cola und Tee stillte und meinen Magen mit ein paar Bananenstücken, Power-Gel und Kekse zur Ruhe brachte, dachte ich erstmalig an meine Kamera. Nach ein paar Fotos und ein paar kurze Video-Aufnahmen hieß es nach 7-minütiger Pause: ab in die Gefahrenzone. Übrigens: Hier war die zweite Ausstiegsmöglichkeit. Daran dachte überhaupt nicht. Warum sollte das tun? Abgesehen von dem letzten Hydratationsproblem, gab es eigentlich keinen Anlass hier aufzuhören.

Ultramarathon von Biel, Teil 8
4. Laufabschnitt (bis Bibern, 77 km)

Willkommen in der Gefahrenzone!

Um 3.20 Uhr nahm ich den vorletzten Abschnitt nach Bibern bei km 77 in Angriff. Es begann nun der schwierigste Abschnitt des gesamten Laufes: der berüchtigter „Hi-Chi-Menh-Pfad“ über ca. 10 km in Emmendamm. Ein steiniger schmaler Waldweg, der mit unzähligen dicken Wurzeln auf die Opfer lauert. Höchste Konzentration ist hier gefragt. Einschlafen oder Träumen ist hier Tabu. Auf diesem Abschnitt spürte ich jeden Stein unter meinen Füßen. Diesen Abschnitt sollte man eigentlich mit Trail-Laufschuhen absolvieren. Vielleicht war das der Grund, warum einige Läufer ihr Schuhwerk wechselten, bevor sie sich auf diesen gefährlichen Abschnitt begaben. Ohne Lampe hat man hier nichts zu suchen, denn es ist stockdunkel. Das Fahrverbot für alle Fahrradbegleiter zeigt auch wie ernst die Lage auf diesem Abschnitt ist. Auf jeden Fall war dieser Abschnitt eine Tortur für meine Füße und die steinigen 10 km waren ewig lang. Trotz Regennässe und lockerem Schritt brannten meine Füße förmlich durch die steinige Bodenbeschaffenheit auf diesem Abschnitt. Die Verpflegungsstelle bei km 68 kam mir wie eine rettende Oase in einer unendlich weiten Wüste vor. Gott sei dank! Das Schlimmste war vorbei. Hier musste ich eine längere Pause einlegen, um meine Füße einigermaßen abzukühlen und meinen Energiespeicher wieder aufzufüllen. Wasser, Cola, Tee, Iso, Brühe, Bananen, Orangen, Powerregel, Power-Gel, Kekse, Brot und alles was das Läuferherz begehrt war reichlich vorhanden. Die Veranstalter haben für eine optimale Versorgung an jeder Verpflegungsstelle gesorgt und ließen keinen Wunsch unerfüllt. Dafür ein großes Lob. Um 5.19 Uhr erreichte ich den nächsten Ausstiegspunkt bei km 76,6. Mit den vielen Verpflegungs- und Fotopausen war das Durchschnittstempo auf 5:44 min/km angewachsen. Trotzdem konnte ich meine Gesamtplatzierung vom Platz 146 auf 112 verbessern in der AK vom 31 auf 27. Das alles wusste ich aber nicht bis diesem Zeitpunkt. Nachdem ich bei km 76,6 kräftig „aufgetankt“ habe, ging es mir ab da nur darum, den letzten Abschnitt von 23,4 km zu absolvieren. Ob laufend, gehend oder kriechend war mir völlig egal. Das ich soweit problemlos laufen konnte hätte ich nicht für möglich gehalten. Auf einmal war die Anziehungskraft der Zahl „100“ größer geworden, was mir einen zusätzlichen Schub nach vorne gab. Es war plötzlich im Rahmen des Machbaren, das lang ersehnte Ziel in Biel zu erreichen.

Ultramarathon von Biel, Teil 9
4 und 5 Laufabschnitt (Büren 90 km – Biel 100 km)

Bibern habe schon längst hinter mir gelassen und es war bereits hell geworden. Mein Ziel war Arch bei km 80, wo noch ein heftiger Anstieg auf mich wartete. Zu meinem Erstaunen gab es bis dahin keine Krämpfe oder muskuläre Probleme. „War das vielleicht ein Vorteil, dass ich in den letzten Wochen nicht zuviel trainiert habe?“ fragte ich mich ständig. Den letzten Aufstieg bei Arch konnte ich sogar problemlos bewältigen. Und weil das so schön war habe ich mir sogar reichlich Zeit genommen, um ein paar Fotos zu machen. Auch der Abschnitt zwischen Arch und Büren konnte ich problemlos bewältigen. Viele Läufer, die ich auf diesem Abschnitt überholte, hielten mich zunächst für einen Staffel-Läufer. Spätestens als sie merkten, dass ich keinen Staffelnummer auf meinem Rücken trug, staunten anerkennend und manche sogar kopfschüttelnd. Kurz vor km 90 am Nidau-Büren-Kanal gab es eine Verpflegungsstelle, wo ich mir reichlich Zeit nahm. Ich hatte Lust nur auf Cola und Brot. Während der Pause zogen einige Läufer, welch ich vorher überholte, an mir vorbei. Das war überhaupt kein Problem. Schnell ließ ich sie alle hinter mir. Nach Büren begann für mich der schnellste Abschnitt auf den letzten 10 km. Eigentlich waren hier die meisten Läufer längst am Ende ihrer Kräfte. Diesen Abschnitt absolvierte ich mit einem Durchschnittstempo von 5:11 min/km trotz Foto- und Video- Pausen. Insgesamt konnte ich auf die letzten 23,4 km 22 Läufer überholen. Im Endspurt konnte ich noch zwei weitere Läufer kassieren. Ich flog vorbei dem Ziel entgegen mit der Kamera in der rechten Hand, um meinen Zieleinlauf aufzunehmen. Auf der Zielgerade gab mir ein großes Spalier von jubelnden und fröhlichen Menschen einen zusätzlichen Schub, um nach 9:32,49 h das begehrte Ziel in Biel zu erreichen. Geschafft! Trotzdem dauerte es einige Minuten, bis ich realisieren konnte, dass mein Traum einen Ultralauf im 3-stelligen Bereich endlich mal in Erfüllung gegangen ist.

Auch die anderen Essener konnten alle die Mammut-Strecke von 100 km erfolgreich absolvieren und waren alle mit ihren Leistungen zufrieden.

Wem habe ich das gelungene Abenteuer von Biel zu verdanken?

Ich bin mir ganz sicher, dass ohne die wertvollen Ratschläge von Juta Jöhring, Peter Ludden sowie die logistische Hilfe und die moralische Unterstützung von Martin Schröer, wäre dieser Traum nicht in Erfüllung gegangen. Allen drei ein herzlichen Dank für das unvergessliche Abenteuer.

   

Vereinsfahrt 2006 zum 34. GutMuths-Rennsteiglauf

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Geschrieben von: Stefan Losch

Bericht
Gruppenfotos
Das Rennsteiglied (Text und Hörprobe)
Internetseite des Veranstalters

Der Rennsteig rief uns erneut...

Getreu dem Refrain des Rennsteiglieds "... im nächsten Jahr sind wir alle wieder da ..." ging die diesjährige Vereinsfahrt des TUSEM nach dem großen Erfolg im letzten Jahr wieder vom 19. - 21. Mai gen Thüringen zum Rennsteiglauf. Wir starteten am Freitagmorgen pünktlich um 7.30 Uhr ab dem S-Bahnhof Essen-West. Der komfortable Reisebus der Essener Firma Gossens war mit 52 Personen bis auf den letzten Platz ausgebucht. Die Fahrt von ca. 6 Stunden bis zu unserem ersten Ziel Oberhof, Imbisspause am Autobahnrasthof inklusive, gestaltete sich äußerst kurzweilig. Für einige war es das erste Wiedersehen nach einem Jahr. Es wurden viele Erlebnisse ausgetauscht und über Läuferfragen, speziell den Ultralauf betreffend, gefachsimpelt. Unser Professor Heinrich Seegenschmiedt, der in Begleitung einer seiner Söhne war, entpuppte sich zudem als wahrer Entertainer. In den hinteren Reihen kreiste auch schon einmal eine Flasche Sekt, und an der Thüringer Landesgrenze stimmten wir uns schon einmal mit dem Rennsteiglied auf das noch Kommende ein.

In Oberhof, den Startort des Halbmarathons, konnten die entsprechenden Startunterlagen in aller Ruhe abgeholt werden. Glücklicherweise wurden die meisten Halbmarathonis aufgrund des erfolgreichen Abschneidens im Vorjahr in den Eliteblock einsortiert. Die erforderliche "Cleverness" des Vorjahres wurde aber natürlich an die Neulinge weitergegeben! Die verbleibende Zeit konnte danach noch für ein erstes Schwarzbier genutzt werden. Und so manchen lockten natürlich auch die originalen Thüringer Bratwürste.

Um 14.30 Uhr ging es dann weiter nach Suhl zum Ringberghotel, das wie im Vorjahr für zwei Übernachtungen unsere Unterkunft bleiben sollte. Da es das üppige Buffet, an das sich die meisten noch mit Wohlwollen erinnerten, erst am nächsten Abend geben sollte, fuhren viele noch nach Schmiedefeld, um den Zielbereich zu inspizieren und sich nochmals zu stärken. Eine gute Wahl, haben doch diejenigen, die sich für ein Abendessen im Hotel entschieden hatten, sehr lange auf ihr Essen warten müssen. Ein Manko bei dem ansonsten sehr ordentlichen Hotel.

Einen Heidenrespekt flößte uns der Wetterbericht für den nächsten Tag ein: von Orkanböen und heftigen Regenschauern war die Rede, ja selbst eine Unwetterwarnung wurde ausgegeben. Davon war zum Glück Samstag in aller Herrgottsfrüh (noch) nichts zu merken. Manchmal stellt sich die Frage, was anstrengender ist: der Lauf an sich oder den Körper nach dem unchristlich frühen Aufstehen in Leistungsbereitschaft zu versetzten. Am schlimmsten traf es wieder die Supermarathonläufer, die schon um 3.45 Uhr vom Hotel abgeholt wurden, um sich dann um 6.00 Uhr über 72,7 km von Eisenach nach Schmiedefeld mit 2000 Leidensgenossen in Bewegung zu setzten. Neben Khalid Ghazi, der sich einiges vorgenommen hatte und Heinrich Seegenschmiedt, der ebenfalls relativ flott in ca. 7 Stunden durchkommen wollte, war für die anderen Debütanten das Ankommen das erklärte Ziel. Dazu hatten sich 2 Pärchen gebildet: Heidi Kroll hielt sich an die erfahrene Jutta Jöhring, und auch Oliver Quast und Bernhard Kluschat gingen die Strecke gemeinsam an.

Über die sehr anspruchsvolle Strecke muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Sie verläuft größtenteils über befestigte Waldwege und weist erhebliche Höhenunterschiede auf. Nicht umsonst spricht man bei der Veranstaltung von Europas größtem Crosslauf. Den schnelleren Läufern blieb oft nicht die Zeit, die Schönheit der umliegenden Landschaft zu genießen, weil der Blick immer fest auf den Vordermann bzw. den Boden gerichtet sein musste, um Stürze zu vermeiden.

Nachdem die Supermarathonis schon 1,5 Stunden unterwegs waren, erfolgte um 7.30 Uhr der Start der Halbmarathonläufer in Oberhof. Bei über 6000 Läufern war es wichtig, sich nach dem Start eine gute Ausgangsposition zu verschaffen, um nicht an den ersten schmalen Wegen ausgebremst zu werden. Stefan Losch war in knapp 1:21 Stunden trotz dreiminütigem Zeitverlust zum Vorjahr schnellster Tusemer, gefolgt von Frank Weigang (1:22:43). Felicitas Witt machte diesmal ernst und benötigte, wie auch Burkard Vielhaber, 1:30:02 Stunden, was ihr einen Sieg in der neu eingeführten Studentenwertung einbrachte. Die nächsten Finisher waren Dirk Schmeetz (1:39:32), Wolfgang Tonhäuser (1:49:52) und, ebenfalls noch unter 2 Stunden, Ulrich Dörr (1:57:43).

Um 9.00 Uhr, als Cita gerade im Ziel war, startete der Marathon in Neuhaus (wegen 43,1 km eigentlich auch schon ein Ultra). Einziger Vertreter des TUSEM war hier Dirk Held, der mit der harten Strecke zu kämpfen hatte und - für ihn ungewohnt - über 4 Stunden benötigte. Am späten Vormittag verschlechterte sich das Wetter zunehmend, so dass nur noch ein harter Kern auf den Zieleinlauf unserer Ultras wartete. Der Rest fuhr mit Taxi oder Bus ins Hotel zurück und nutze die Zeit ausgiebig zur Regeneration in der hoteleigenen Sauna. Die durchnässten Ultras trudelten dann ab Mittag langsam aber stetig ein. Khalid war mit 6:30 Stunden gut dabei, die Strecke hatte ihm aber einen gehörigen Respekt eingeflößt. Heinrich erreichte in 7:07 Stunden das Ziel, und Heidi und Jutta liefen nach 8:17 Stunden locker über die Ziellinie, dabei hatte Heidi unterwegs noch mit Knieschmerzen zu kämpfen. Oliver und Bernhard machten nach 9:21 Stunden den Schluss.

Am Abend erwartete uns dann ein tolles Büffet mit allem, was das Läuferherz begehrt. Und da auch alle den nötigen Appetit mitbrachten, mussten die Kellner oft für Nachschub sorgen. Die vollen Mägen und das wirklich schlechte Wetter sorgten dann aber dafür, dass nur noch Wolfgang Tonhäuser und Dirk Schmeetz mit Freundin zurück nach Schmiedefeld fuhren, um die wahnsinnige Finisher-Party live zu erleben. Wie viele Biere hier noch getrunken wurden, ist dem Verfasser dieser Zeilen nicht bekannt.

Am Sonntag hieß es dann nach einem reichlichen Frühstück wieder Abschied nehmen. Und nachmittags waren wir wieder alle wohlbehalten in Essen - müde, aber sehr zufrieden. Gerade die Supermarathonis hatten die Strapazen gut verpackt und sahen irgendwie selig aus. Zum Schluss: ein ganz besonderer Dank geht an Gerd Zachäus und seiner Frau Elke, die uns wieder einmal mit großem Einsatz und perfekter Organisation eine wunderschöne Fahrt bescherten. Es lief wirklich alles rund, und dieser "Idealzustand" ist alles andere als selbstverständlich. Wir freuen uns schon sehr auf die nächste Fahrt!

Gruppenfotos

Die "wahren" Rennsteigläufer

Die "Halben"

Unsere ganze Truppe

Das Rennsteiglied

Hörprobe vom Rennsteiglied

Der Rennsteig ruft uns in jedem Jahr, wir rufen "Rennsteig", sind wieder da,
auf deinen Wegen mal Berg mal Tal, sind wir so glücklich jedes Mal,
auf deinen Wegen mal Berg mal Tal, sind wir so glücklich jedes Mal.

Refrain:
hei hei hei ho der Rennsteiglauf
hei hei hei ho wir sind gut drauf
hei hei hei ho im nächsten Jahr, sind wir Alle wieder da
hei hei hei ho im nächsten Jahr, sind wir Alle wieder da

Egal ob Neuhaus ob Eisenach, ob Oberhof - wir sind eine Macht,
so viele Freunde am Wege steh'n, in Schmiedefeld das Wiedersehen,
so viele Freunde am Wege steh'n, in Schmiedefeld das Wiedersehen.

Refrain:
hei hei hei ho ...

   

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